• #1

    Hallo zusammen,

    auf der Heimfahrt heute hat mein Navi endgültig Ade gesagt :evil: Jetzt meine Frage an euch : was könnt ihr empfehlen bzw.was benutzt ihr aktuell ? Es muss auf alle Fälle Routen selbstständig planen und auch abfahren können,das heißt das Navi plant die Routen ohne das ich die vorher am PC plane und dann aufspiele.Natürlich sollte ich dann am Navi die Routen nach meinem Belieben ( kurvig,hügelig usw. ) verändern können.Ich freue mich auf eure Tipps und Vorschläge ;)

    GlG.Wolfgang aus dem schönen Bergischen Land :romance-hearteyes:

  • #3

    Ich habe mich letztes Jahr recht intensiv mit den im Markt verfügbaren Möglichkeiten auseinandergesetzt und möchte meine Erkenntnisse hier beitragen.


    Grundsätzlich gibt es zwei prinzipielle Ansätze, die eigenständigen Geräte und die Handy-Navigationslösungen. Bei ersteren habe ich mir TomTom und Garmin näher angesehen. Bei TomTom fällt sofort auf, dass die Gerätelösung seit einigen Jahren nicht mehr weiterentwickelt wird, man setzt dort also offensichtlich nur noch auf Handy-Apps. Davon gibt es zwei namens TomTom sowie TomTom Go, von denen meines Erachtens keine eine für Motorradtouren sinnvolle Planungsmöglichkeit anbietet.


    Bei Garmin habe ich ein paar Monate das Topmodell Zumo XT2 versucht und war maßlos enttäuscht. Die einzige Möglichkeit zur Tourplanung ist auf dem Gerät selbst, was bei allem, was über eine Hausrunde hinausgeht, unbrauchbar ist. Zur Planung auf dem PC gäbe es zwar theoretisch Basecamp, und vielleicht findet man irgendwo auch noch eine Installationsdatei dafür, die Software wird aber von Garmin nicht mehr unterstützt und man plant bei Garmin auch nicht, irgendetwas Neues dafür zu entwickeln. (Ich habe mit Garmin direkt dazu kommuniziert, das war die offizielle Antwort auf meine diesbezügliche Frage.) Wenn man die Tourplanung mit einem anderen Werkzeug als Basecamp versucht und die Tour überträgt, muss man beim Fahren damit rechnen, dass man über teilweise ganz andere Strecken geführt wird als ursprünglich geplant. (Die Ursache davon wurde mir später klar, ich werde später noch darauf eingehen.) Die Integration mit dem Telefon, um auch anrufen oder Musik hören zu können, ist wohlwollend als rudimentär einzustufen. Und zu guter Letzt ist die Grafik ein für die heutige Zeit unwürdiges Herumruckeln, bei der ab und zu der Bildschirm um ein Drittel verschoben wird und danach die weißen Flecken langsam wieder aufgefüllt werden. (Ich dachte ein paar Mal, das ganze System sei abgestürzt und steckt fest, aber dann kamen doch wieder ein paar Farbflecken der Landkarte.) Wenn man im Regen fährt, glaubt das Touch-Display, dass man ständig auf dem Bildschirm herumtippt, und die Anzeige hüpft wild vor sich hin. Ich war echt froh, als ich das Ding wieder los war, auch wenn mich das Ganze ein paar hundert Euro Lehrgeld gekostet hat.


    Bei den Handy-Apps gibt es drei nennenswerte Anbieter: Calimoto, MyRouteApp (MRA) und kurviger.de. Calimoto und MRA kenne ich im Detail, kurviger.de habe ich nicht ausprobiert.


    Calimoto bietet eine Planung sowohl auf dem Telefon als auch im Internet an. Alles ist integriert, die Routendaten liegen in der Cloud, sodass sie ohne weitere Aktionen sofort verfügbar sind. Die Gratisversion ist für gelegentliche Touren bereits ganz brauchbar, für längere Urlaube, Offline-Karten und andere Funktionen sollte man zum Abo greifen, das um 59,99 € p. a. angeboten wird. Alternativ dazu gibt es auch ein Wochenabonnement um 9,99 €. (Ich habe Calimoto seit Jahren und zahle deshalb deutlich weniger fürs Jahresabonnement.) Details zu Preisen und Funktionsumfang findest Du hier: calimoto Premium – Preise, Abos, Produktübersicht


    Technisch basiert Calimoto auf OpenStreetMap, das Segen und Fluch zugleich ist. Einerseits handelt es sich um ein ausgesprochen umfangreiches Kartenmaterial, andererseits kommt es durch das Konzept der Schwarmintelligenz zu teilweise absurden Klassifizierungen der Wege, und so kann es passieren, dass sich eine vermeintliche Hauptverkehrsstraße als morastiger Waldweg entpuppt. Eine positive Eigenschaft von OSM ist die Möglichkeit, Kurvenradien recht exakt zu berechnen und auf diese Weise die "Kurvigkeit" zu bemessen. Calimoto macht davon intensiv Gebrauch, und eine "superkurvig" geplante Strecke kann entsprechend viel Spaß machen. Manchmal übertreibt die Software es dann aber auch und führt einen z. B. um eine Verkehrsinsel oder im Zickzack durch verkehrsberuhigte Zonen, damit es noch kurviger wird.


    Calimoto bietet eine Vielzahl fertiger Touren zur Verwendung an. Es handelt sich dabei um reine Streckendaten, zu denen es abgesehen von einem kurzen, einzelnen Kommentar keine weiteren Informationen gibt.


    MRA ist technisch am weitesten fortgeschritten. Planung findet immer im Internet statt, und die Daten liegen hier wie bei Calimoto in der Cloud. Eine Planung auf dem Handy ist ähnlich wie bei Calimoto nur für kleine Ausflüge sinnvoll, eine komplexere Planung ist damit nicht realistisch machbar.


    MRA unterstützt zur Planung das Kartenmaterial von OSM, Here-Maps (das ist die Basis für alle Garmin-Geräte) und TomTom. Je nachdem, welches man verwendet, ändert sich damit auch die Verfügbarkeit spezieller Funktionen wie z. B. die Kurvigkeit bei OSM oder saisonale Sperren bei Here-Maps. Außerdem bietet die Planungssoftware je nach Abonnementstufe unterschiedliche Funktionen an. So kann man bei der teuersten Variante "Gold" die Algorithmen zur Streckenberechnung aller drei Kartenanbieter vergleichen lassen, was mir verdeutlicht hat, warum eine Calimoto-Planung auf einem Garmin-Gerät mit einer teilweise völlig anderen Streckenführung endet. Durch Setzen zusätzlicher Wegpunkte kann man dann alle drei zur Deckung bringen, was wichtig ist, wenn man die Strecke mit anderen, unterschiedlich ausgestatteten Fahrern teilen will.


    Zusätzlich zur Streckenplanung mit OSM, Here-Maps und TomTom - sozusagen die Basiskarte - kann man sich bei der Planung auch diverse andere Karten anzeigen lassen, darunter Michelin und Google Maps, sodass man die zusätzlichen Informationen all dieser Anbieter zur Verfügung hat. Wenn man sehr ins Detail zoomt, kann man dann sehen, dass die Straßen in den einzelnen Karten nicht immer deckungsgleich kartografiert wurden oder manche Wege nicht überall bekannt sind und kann entsprechend darauf reagieren.


    Unabhängig von der Planungssoftware gibt es bei MRA Die Navigations-App. Diese bietet neben der Navigation selbst auch Planungsfunktionen, aber natürlich nicht mit demselben Komfort wie die Planung auf einem PC-Bildschirm im Internet. Grundsätzlich ist aber die Philosophie von MRA, dass die Planung nicht für ein bestimmtes Navigationsgerät oder eine bestimmte Navigations-App erstellt wird, und dass die MRA-Navigations-App wiederum Planungen von verschiedenen Systemen akzeptieren kann. Da die Navigations-App sowohl mit OSM- als auch mit Here-Maps-Algorithmen arbeiten kann, eignet sie sich z. B. auch als Ersatz für Garmin-Geräte. TomTom-Planungen müsste man zuerst in der MRA-Planungsanwendung auf ein anderes Format konvertieren, damit sie für die MRA-Navigations-App nutzbar wird.


    MRA bietet eine umfangreiche Auswahl teils hervorragend ausgearbeiteter, fertiger Touren an, die von anderen MRA-Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Da MRA die Möglichkeit bietet, Wegpunkte zu klassifizieren und einzeln Kommentare hinzuzufügen, erfährt man wesentlich mehr Details als bei den Touren von Calimoto.


    Die Preisgestaltung bei MRA ist komplexer als bei Calimoto, deshalb fasse ich sie hier nicht zusammen und verweise nur auf MyRoute-app: Das #1 All-in-One-Routing-Tool (von dort kommt man über "Funktionen anzeigen" und "Funktionalitäten vergleichen" zur Liste der unterstützten Funktionen).


    Smartphones sind freilich nicht immer ideale Navigationsgeräte. Die Bildschirme können bei heller Sonne zu dunkel sein, im Sommer wird ihnen schnell zu heiß, bei Regen entwickeln sie ein ungewünschtes Eigenleben, die Touchscreens verstehen die Berührungen mit Handschuhen nicht, Vibrationen können die Kameramodule zerstören, etc. Abhilfe bieten hier für Motorräder optimierte Apple-Carplay- bzw. Android-Auto-Displays. Während auf dem Telefon weiterhin die die Navigations-App läuft, wird die Anzeige drahtlos aufs Display übertragen, und die Bedienung des externen Touchscreens geht wieder zurück ans Telefon übertragen und wird dort verarbeitet. Ich habe dazu drei Produkte verglichen, die nach meiner Wahrnehmung die am weitesten fortgeschrittenen sind:

    • Chigee
    • Carpuride
    • Innovv

    Alle bieten neben Apple CarPlay bzw. Android Auto zusätzliche Funktionen wie z. B. Dashcam mit vorderer und hinterer Kamera, Reifendruckkontrolle mit internen oder externen Sensoren und radarbasierte Totwinkelwarner an. Ich selbst habe mich fürs Chigee AIO-6 samt Kameras und internen Reifendrucksensoren entschieden (den Totwinkelwarner hatte ich schon von Innovv), weil Chigee eine meines Erachtens sehr wichtige Funktion als Alleinstellungsmerkmal anbietet: Es ist möglich, die Touch-Funktionalität mit einer Taste zu deaktivieren, was auch im stärksten Regen eine störungsfreie Funktion ermöglicht.


    Egal, ob man sich für einen der drei obigen Anbieter oder einen anderen entscheidet, wichtig ist bei der Navigations-App, dass sie Apple-CarPlay- bzw. Android-Auto-fähig ist. Für Calimoto, MRA und kurviger.de gilt das, es ist aber bei anderen keineswegs selbstverständlich und sollte bei der Wahl einer anderen Navigations-App geprüft werden, bevor Kosten und womöglich Frust entstehen.

  • #4

    TomTom Rider 550 „World“

    „Alt“, aber ausgereift, robust, handlich und mit WLAN immer „up to Date“ (zT preiswert im Sale)


    Und meine Tourmitfahrer waren bisher immer begeistert, wo uns das Navi - je nach den verschiedenen Einstellungen - hingeführt hat.


    Für jemanden, der keinen Bock auf langwierige Planungen am Smartphone und Aufspielen etc. hat, sondern aufs Navi vertraut und sein 1.500,- teures iPhone nicht am Lenker spazieren fahren will, ist das TomTom immer noch meine Empfehlung wert…

    VFR 1200X • EZ 05/2015 • Digital Silver Metallic

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